Informelles Lernen

Das formale angeleitete Lernen ist allen bekannt: aus der Schule, aus dem Seminar, aus dem Volkshochschulkurs. Diese Form des Lernens haben die meisten Menschen vor Augen wenn der Begriff „Weiterbildung“ fällt.

Das informelle Lernen, das fester Bestandteil unseres Alltags ist, nehmen wir gar nicht als LERNEN wahr. Obwohl jeder von uns damit konfrontiert wird und es erfolgreich praktiziert.

Hier ein Beispiel

Jemand kauft sich ein neues Handy / Smartphone. Um das Gerät in Betrieb zu nehmen kann er sich Unterstützung in verschiedenster Form holen:

  • die Bedienungsanleitung in der gedruckter Form
  • eine Grafik, fast non verbal, als Kurzanleitung
  • ein Video, das die einzelnen Handgriffe zeigt und erklärt

Er lernt so den Umgang mit dem Handy in der Form und Geschwindigkeit, die ihm zusagt. Ein wesentlicher Unterschied zum formalen Lernen ist auch die Unabhängigkeit von Ort und Zeit. Es muss nicht auf den Abend mit dem VHS-Kurs und dem Lehrer gewartet werden. Es ist nicht der Besuch des Seminarraums erforderlich.

Es geht noch weiter:

Nehmen wir an ein Kollege hat sich das gleiche Handy gekauft und die Beiden treffen sich, um die Geräte gemeinsam in Betrieb zu nehmen. Es ist wahrscheinlich, dass die Beiden an unterschiedlichen Stellen mit der IBS begonnen haben. Der Eine startet mit den Grundeinstellungen des Geräts, der Andere interessiert sich mehr für die Multimediafunktionen. Je nach Situation kann der Eine dem Anderen eine Funktion und deren Einstellung erklären.

 

Der Lernende wird zum Lehrer. Die Grenzen verschwimmen

 

Die Beiden tauschen Tipps und Tricks aus. Es wird getestet was geht, was sinnvoll und was unnütz ist. Fehler, die der Eine gemacht hat werden nicht wiederholt sondern direkt vermieden.

Der Erfahrungsaustausch verkürzt die Inbetriebnahme der Handys. Es wird Frust vermieden, der durch Fehlbedienungen entsteht. Am Ende werden beide die Handhabung ihrer Handys beherrschen und die als sinnvoll erachteten Funktionen auch praktisch verwenden. Beide haben die Bedienung des Handys ERLERNT. Das ist informelles Lernen.

Übertragen vom Alltag auf den Betriebsalltag werden die Potenziale des informellen Lernens schnell deutlich.

Es wird nicht nur Wissen erworben sondern auch Erfahrungen weitergegeben. Gerade für KMUs mit langjährigen Mitarbeitern ein überlebenswichtiger Punkt. Die selbst erarbeiteten Kenntnisse, Vorgehensweisen und Kompetenzen werden schneller und nachhaltiger in Handlungen umgesetzt.

 

Auf dem Weg zum selbstlernenden Unternehmen ist das informelle Lernen ein wichtiger Meilenstein.

Hier noch ein Interview zum Thema informelles Lernen mit Peter Dehnbostel, Professor für Betriebliches Bildungsmanagement an der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW):[wpdevart_youtube]H-rkq_QUcQI[/wpdevart_youtube]

 

 

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