Wertschätzung in der wirtschaftlichen Talfahrt

Als die Geschäfte in den letzten Jahren gut liefen, hörte ich häufig „Unsere Mitarbeiter sind unser wertvollstes Kapital”. Jetzt im wirtschaftlichen Tal wird aus dem „Kapital” schnell ein „Kostenfaktor”, der reduziert werden muss. Manchmal wird sogar vergessen den ehemaligen Leistungsträgern bei der Entlassung für die geleistete Arbeit zu danken. Die Wertschätzung der Mitarbeiter nur in guten Zeiten zu praktizieren rächt sich, wenn die Konjunktur wieder anläuft.

Es ist eine bedauerliche Tatsache, dass viele Unternehmen in diesen Zeiten nicht um Kurzarbeit und Entlassungen von Mitarbeitern, auch Zeit- und Leiharbeiter sind Mitarbeiter, herum kommen. Aber wie mit dieser Situation und den Menschen umgegangen wird, ist entscheidend. Wird sowohl den verbleibenden wie auch den scheidenden Mitarbeitern noch die Wertschätzung entgegengebracht, die sie als know-how-Träger des Unternehms verdienen?

Langjährige Mitarbeiter, die gehen nehmen viel von der kollektiven Erfahrung des Unternehmens mit. Das Management muss sich auch die Frage stellen ob diese Mitarbeiter das Kostenproblem darstellen oder ob sie die Träger der Lösung sind?

Eine transparente und ehrliche Kommunikation mit gelebter Wertschätzung ist die beste Investition in die Zukunft. Eine Geringschätzung der Mitarbeiter in der Krise wird sich rächen, wenn die Konjunktur wieder anspringt und qualifizierte Mitarbeiter gesucht werden.

Wie drückt sich die Wertschätzung eines Mitarbeiters im Berufsalltag aus? Hauptsächlich indem man ihn als engagierten, mündigen und verantwortungsbewussten Menschen behandelt. Ein Mitarbeiter der sich mit seinem Arbeitsplatz, seiner Firma und dem Produkt identifiziert, ist am besten in der Lage Einsparpotenziale zu finden und Lösungen zu erarbeiten. Um dies zu tun brauchen Ihre Leute den entsprechenden Freiraum

Die in Krisenzeiten praktizierte Vorgehensweise ist leider oft gegenläufig. Häufig wird stärkere Kontrolle ausgeübt, Zielvorgaben ohne Mitarbeiterbeteiligung entwickelt und der Informationsweg geht nur noch von oben nach unten. Krisenmanagement top down. Dies führt eher zur Entmündigung des Mitarbeiters. Zu einem demotivierten, nicht selbstständig denkenden, frustrieten Mitarbeiter, der zur Krisenbewältigung nichts beitragen darf.

Trauen Sie sich und Ihren Mitarbeitern mehr zu!

Mitarbeiter, die gemeinsam ein Potenzial identifizieren und Lösungen für dessen Umsetzung erarbeiten, sind engagierter und verantwortungsbewusster. Zugegeben diese Vorgehensweise ist zeitintensiv. Aber das gemeinsame Erarbeiten führt zu einem nachhaltigeren Erfolg. Zielvorgaben und Konzepte top down zu verordnen schöpft die bestehenden Potenziale nicht aus. Trauen Sie Ihren Mitarbeitern mehr Lösungskompetenz zu. Trauen Sie sich den Mitarbeiter Verantwortung zu und lassen sie konsequent mitwirken während Sie als Führungskraft nur Einfluss zu nehmen.

Wertschätzung in der Krise kann zu einer neuen Dynamik im Unternehmen führen, die zu einer nachhaltigen Entwicklung führt. Damit wird das nächste wirtschaftliche Tal leichter durchfahren.

Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

5 comments to “Wertschätzung in der wirtschaftlichen Talfahrt”

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  1. Franz Sebl says: 28. April 2009 at 7:44

    Krisenkompetenz

    Sie haben schon recht – Wertschätzung für MitarbeiterInnen – sie vor allem auch zu zeigen und im Tagesgeschäft zu leben und nicht nur davon reden fehlt in vielen Unternehmen.
    Wertschätzung alleine ist aber immer zuwenig gewesen, in guten Zeiten und noch mehr in der jetzigen vielzitierten Krise.
    „Krise ist die Weggabelung zwischen Katastrophe und innovativer Veränderung „ (G.Schafzahl)
    Wenn Aufträge wegbrechen, Entlassungen drohen und Motivation verfällt ist mehr gefordert als wirkungsloser Zweckoptimismus, Wertschätzung, beredtes Schweigen oder Dementieren.

    Unternehmer und Führungskräfte sind gefordert Krisenkompenez zu entwickeln.
    Damit meine ich innerhalb der Firmen offene Information der Mitarbeitern, klares Hinterfragen der eigenen Schwächen und Betonung der vorhandenen Stärken.
    Dazu kommt, aufmerksames Zuhören – Mitarbeiter haben klare Vorstellungen von Krisenbewältigungen – auch wenn sie oft die Gesamtprobelmatik nicht überblicken können.

    Damit aber nicht genug!

    Kritisches Hinterfagen des bestehenden Geschäftsmodells und Marktmanagement sind gefordert. Klaren Formulierung von Zielen die die Frage beantworten: „Wie wollen wir der Krise begegnen und danach aufgestellt sein um den kommenden Aufschwung zu bewältigen? „
    Diese Ziele und die notwendigen Firmenstrategien geschickt zu kommunizieren ist eine der wichtigsten Aufgaben für Führungskräfte in schwierigen Phasen.

    Damit wird allen Beteiligten, Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern klar, dass es in schwierigen Situationen Einschränkungen, Abstriche und Veränderungen gibt die ein Ablaufdatum haben. Es wird allen klar, – zu vor der Krise wird man nicht zurückkehren,- aber es gibt transparente Strategien für die Zukunft.

    Wer das nicht in guten Zeiten schon praktiziert hat, tut sich jetzt doppelt schwer, denn Glaubwürdigkeit und Vertrauen kann man nicht wie einen Lichtschalter anknipsen.Für Viele könnte es jetzt dennoch ein Start sein, der zwar von Aussen aufgezwungen aber erfolgreich ist.

    Krisenkompetenz läßt die Firmen gestärkt, vorbereitet und mit einem hohen Maß an Vertrauen der Partner in die Nachfragephase gehen.
    Wer jetzt auf kurzfristigen Aktionismus setzt und seine Mitarbeiter und Partner nicht „mitnimmt „ verspielt die langfristige Entwicklung seiner Firma und hat in der Krise nichts gelernt.

  2. Hallo Franz,
    natürlich lässt sich eine nicht vorhandene Unternehmenskultur auch in der Krise nicht leben. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist eine offene Kommunikation zwar erforderlich aber naturgemäß schwierig, da die positiven Nachrichten seltener sind.
    Wenn der Kopf schon voll ist mit den Alltagssorgen, ist es schwierig neue und / oder kreative Methoden der Kommunikation zu finden. Genau diese sind erforderlich, um die Mitarbeiter zu motivieren gemeinsam den Weg durch das wirtschaftliche Tal zu gehen.

    Wir versuchen die Betriebe der Oberflächentechnik hierbei zu unterstützen und werden Mitte Juni eine Veranstaltung anbieten. Die Teilnehmer werden neue Perspektiven und neue Ideen geboten für den Umgang mit der aktuellen betrieblichen Situation.

    Es wäre schön, wenn du deinen Kommentar noch mit einigen praktisch umsetzbaren Tipps erweiterst oder gar ein eigenen Artikel?!

    Anke

  3. Franz Sebl says: 4. Mai 2009 at 15:45

    Hallo Anke,
    offene Kommunikation hat nichts mit guten Nachrichten zu tun. Wer die MitarbeiterInnen nur als Resscource ( Humankapital !) sieht hat, hat sicherlich jetzt mehr Probleme.
    Es gibt kein Rezept für den Umgang mit Mitarbeitern aber es gibt die Möglichkeit sich um ein Klima der gegenseitigen Achtung zu bemühen ( ich bin OK – du bist OK ) – und das ist in manche Unternehmen und bei manchen Führungskräften schon ein großer Schritt.
    Praktische Tipps dazu gibt es in sonder Zahl , hängen aber immer auch an den Persönlichkeiten von Vorgesetzten und Mitarbeitern , ihren Erfahrungen und an ihrem Umsetzungspotenzial -um nicht zu sagen Umsetzungswillen.
    Franz

  4. Hallo Frau Heisel, hallo Herr Sebl,

    ich stimme der Grundaussage des Herrn Sebls zu und betone noch einmal, daß die Wertschätzung der MA ein sehr bedeutender Bestandteil der Unternehmenskultur ist und konjunkturunabhängig ist. Sie ist die Basis eines langfristigen Geschäftserfolges

    Erfahrungen im produzierenden Mittelstand zeigen, daß Motivation und Zufriedenheit bei den MA dann vorherrscht, wenn die Geschäftsleitung vorbildhaft in einem Wertesystem (Loyalität, Ehrlichkeit, Vertrauen) die MA fordert und leistungsbezogen belohnt

  5. Franz Sebl says: 26. August 2009 at 12:38

    Hallo Herr Graf,
    Einverstanden ! Konjunkturunabhängig JA nicht aber situationsunabhängig.
    Konjunkturschwankungen bilden sich in den Betrieben als konkrete Situationen ab. Da reichen allgemeine Aussagen nicht aus, da müssen handfeste Lösungen her.

    Wir wissen, dass gerade Klein- und Mittelbetriebe rasch auf geänderte Bedingungen in ihrem unmittelbaren Umfeld reagieren (- müssen?). Wenn ein bedeutender Kunde schwächelt, seine Anforderungen nach unten oder nach oben schraubt, Kosten steigen – Erträge sinken – ist Wertschätzung = Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse der MitarbeiterInnen, nicht unproblematisch.
    Mitarbeiter abbauen, Rahmenbedingungen der Arbeit einseitig verändern und vieles Anderes mehr stehen auf der Tagesordnung genau so wie Qualifizierungen einsparen oder an der Mitarbeiterzahl drehen „wie am Wasserschlauch“.

    Mit Mitarbeiter hohe Kosten – ohne Mitarbeiter kein Umsatz, da kommen wir rasch zu einer geänderten Sicht von Personalkosten.

    Das Beharren auf wohlerworbene Rechte von seiten der Mitarbeiter ist ebenso einseitig wie Personal nur als Kostenfaktor und nicht als Wissensträger, Umsatz- und Gewinnbringer zu sehen.
    In Zeiten rasch ändernder Rahmenbedingungen greifen bisher bewährte Vorgehensweisen nur beschränkt. Nicht nur die „ klassische Kostenrechnung“ ist überdenkenswert sondern auch psychologische Aspekte kommen zum Tragen.

    Viele Firmeninhaber haben den Eindruck, sie sind dem freien Wettbewerb mit allen Konsequenzen ausgesetzt, ihre Mitarbeiter bewegen sich aber in der Arbeitswelt mit einer „Vollkaskoversicherung“.
    In Zukunft sind,- nach der Krise ist nicht vor der Krise, im Spannungsfeld Kunden – Service – Qualitätssicherung – Kosten – und Mitarbeiterorientierung eine Reihe von neuen Methoden und Verhaltensweisen in den Betrieben erforderlich.

    Die Gestaltungsvarianten zum gemeinsamen Erfog:
    Arbeitszeit,-
    Produktionsabläufe,
    Arbeitsplatzausstattungen,-
    Kunden-und Serviceorientierung,-
    Qualitätssicherung,
    Lohn und Gehaltssysteme
    werden vielfältiger und maßgenauer an Firmen, deren Mitarbeitern und Kunden angepasst werden müssen.
    Daran müssen Mitarbeiter und Unternehmer gemeinsam noch stärker als bisher arbeiten, um gegenseitige Wertschätzung in den Betrieben auch als „gelebte Realität” zu erfahren.

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